Österreichs Katastrophenhilfefonds muss angesichts der vielen internationalen Krisen dringend von derzeit fünf auf zumindest 20 Millionen Euro aufgestockt werden: Das haben zahlreiche Hilfsorganisationen am Montag, 13. Oktober 2014, im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz gefordert.
Gegenüber der Not vieler Menschen etwa in den Ebola-Regionen, in Syrien, Irak, Südsudan oder der Ukraine - seien die Sparmaßnahmen der Regierung "zynisch" und würden "einer unterlassenen Hilfeleistung sehr nahe kommen", erklärte Anneliese Vilim, Geschäftsführerin des Dachverbandes "Globale Verantwortung", der 42 NGOs vertritt. Die Aufstockung war im Regierungsübereinkommen angekündigt worden, mittlerweile aber dem Sparstift zum Opfer gefallen.
Caritas-Auslandshilfechef Christoph Schweifer forderte eine "sofortige Sonderdotierung" des Auslandskatastrophenfonds, der bereits jetzt praktisch leer sei. Dringend sei dies besonders angesichts der Situation in der Ukraine, wo ein "Wettlauf gegen die Zeit" bevorstehe: Nach den Kämpfen im Osten hätten bereits 400.000 Menschen das Land verlassen, dazu gebe es ungefähr die selbe Anzahl an Binnenflüchtlingen, die etwa bei Verwandten und in nicht beheizbaren Ferienlagern untergebracht seien.
Bereits zwölf Millionen Menschen sind laut Diakonie-Direktor Michael Chalupka in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen, 1,2 Millionen Menschen sind im Nordirak vor der Terrorgruppe "Islamischer Staat" auf der Flucht. Allein durch die Syrienhilfe der Aktion "Nachbar in Not" hätten österreichische Spender bereits mehr Hilfe geleistet als die fünf Millionen Euro des Katastrophenfonds der Regierung, der Chalupka, hier "völliges Versagen" vorwarf: Österreich sei trotz den Zusagen von einer Million Euro für den Nordirak aus dem Soforthilfe-Fonds gegenüber dem Spendenappell der UNO für Syrien "im Minus" und habe laut einer Oxfam-Studie nur 26 Prozent jener Quote, die "fair" wäre, erfüllt - "wenn wir geben, dann sowieso nur das, was wir schuldig sind", so der Diakonie-Direktor.
Chalupka verwies u.a. auf die Schweiz, wo die Bundesregierung die humanitäre Hilfe im Jahresbericht für 2013 mit rund 315 Millionen Euro anführt. Die Forderung einer Aufstockung auf 20 Millionen Euro sei angesichts dieser Dimensionen ohnehin "äußerst bescheiden". Ähnlich World Vision-Geschäftsführer Sebastian Corti, der auf die katastrophale Situation syrischer Flüchtlinge im Libanon hinwies und betonte, eine Aufstockung des Fonds würde jeden Österreicher mit 2,60 Euro statt 50 Cent pro Jahr betreffen - "niemand würde sich beschweren", so Corti.
Am Beispiel der Ebola-Bekämpfung stellte auch Rotkreuz-Generalsekretär Werner Kerschbaum dar, dass ein stärkeres Engagement Österreichs nötig sei. Der Kampf gegen die Viruserkrankung, die bereits über 4.000 Todesopfer forderte, sei aufgrund des mangelhaften Gesundheitssystems in den meisten betroffenen Staaten enorm aufwändig und bedürfe viel Aufklärungsarbeit seitens der Hilfsorganisationen.
Dass schon mit einer Million Euro einige Brandherde gelöscht werden könnten, stellten die NGOs anhand einer Aufschlüsselung dar: So könnten mit diesen Mitteln Nothilfepakete für 8.500 Familien erstellt, 3.400 syrische Flüchtlingskinder mit Schuljause für ein Schuljahr versorgt, 100 komplett zerstörte Familienhäuser im Nahen Ostern wiederaufgebaut oder 35 Häuser renoviert und 455 Familien mit landwirtschaftlichen Geräten und Saatgut unterstützt werden. Ebenso könnten bis zu 100.000 Menschen in Pakistan auf den Katastrophenfall vorbereitet werden oder 21.000 Menschen im Südsudan notwendige medizinische Hilfe erhalten.