In dem am Mittwoch, 9. Juli 2014, veröffentlichten IOR-Bilanzbericht kündigte Kardinal George Pell als Leiter des im Februar eingerichteten Wirtschaftssekretariates zudem den Austausch der gesamten Führungsspitze an. Die Bank werde ihren Reformprozess "unter einer neuen Leitung" fortsetzen, so Pell. Als Nachfolger des bisherigen Präsidenten, des Deutschen Ernst von Freyberg (55), wird der französische Finanzmanager Jean-Baptiste de Franssu ernannt werden.
Freyberg war im Februar 2013 noch vom inzwischen emeritierten Papst Benedikt XVI. zum Präsidenten des IOR berufen worden. Er sollte die wiederholt in die Schlagzeilen geratene Vatikanbank sanieren, transparenter machen und internationale Standards einführen. Das Institut mit dem offiziellen Namen "Institut für religiöse Werke" war unter anderem in den Verdacht der Geldwäsche geraten.
Pell dankte Ernst von Freyberg sowie den Aufsichtsratsmitgliedern Ronaldo Schmitz, Carl Anderson, Antonio Maria Marrocco und Manuel Soto Serrano sowie Generaldirektor Rolando Marranci und seinem Stab für "die große Hingabe für das Ziel, der Kirche sichere und professionelle Finanzdienstleistungen bereitzustellen und die notwendigen Verbesserungen zur Fortführung dieses Dienstes umzusetzen". Mit dem Abschluss der "Phase I" einer Umstrukturierung wolle der Vatikan "das Institut in die zweite Phase der Reformen unter einer neuen Leitung führen", so der australische Kardinal.
Der neue Mann an der Spitze, Jean-Baptiste de Franssu wird den Weg der Transparenz weitergehen, erklärte er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Vatikan. Im Mittelpunkt stünden die Transparenz der Geschäfte und der Service für die Kunden des IOR. "Ich sehe meine Arbeit als Mission für die Kirche", so de Franssu.
Von Freyberg begründete den Wechsel damit, der weitere Reformprozess des IOR erfordere jemanden, der sich ihm in Vollzeit widmen könne. Er selbst geht in Deutschland noch anderen Tätigkeiten nach und hielt sich immer nur einige Tage pro Monat in Rom auf. Zudem sei de Franssu als gelernter Vermögens-Manager geeigneter für die nun anstehenden Aufgaben.
In der ersten Phase des IOR-Umbaus hatte von Freyberg unter anderem sämtliche Konten überprüfen lassen. Die Bank, die immer wieder wegen des Verdachts auf Geldwäsche in die Schlagzeilen geriet, hat sich inzwischen von rund 3.000 Kunden getrennt, die nicht in ihr Profil passen. Das IOR versteht sich vor allem als Dienstleister für kirchliche Institutionen und den Vatikan.
De Franssu arbeitet bisher als Chef des Finanzberatungsunternehmens INCIPIT. Im März berief ihn Papst Franziskus in die Kommission für die Überprüfung der Finanz- und Güterverwaltung des Vatikan, COSEA. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.
Die Neuregelungen bei der Wirtschafts- und Finanzadministration des Vatikan sind eine wichtige Etappe bei der Kurienreform des Papstes. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn, der seit Jänner der Kardinalskommission zur Aufsicht der Vatikanbank IOR angehört. Gleichzeitig würdigte Schönborn den scheidenden IOR-Direktor Ernst von Freyberg, dem "die entscheidenden Schritte zur Sanierung der Vatikanbank gelungen sind".
Die rund eineinhalbjährige Tätigkeit des Deutschen Finanzfachmanns sei im Vatikan "sehr geschätzt", hielt der Kardinal fest und sagte: "Von Freyberg übergibt ein weitgehend geordnetes Haus". Nach der ersten Phase der großen Sanierungsmaßnahmen stehe jetzt die zweite Phase der Konsolidierung der Bank mit einem neuen Team an. "Dies wird für die Kardinalskommission eine Phase intensiverer Begleitung bedeuten", so Schönborn, der seit Jänner diesem Aufsichtsorgan der Vatikanbank angehört, das jetzt um den Zagreber Kardinal Josip Bozanic erweitert wurde.
Als geradezu "typisch für das neue Pontifikat" wertete Kardinal Schönborn die am Mittwoch weitreichenden Beschlüsse zur Kurienreform: "Papst Franziskus ist nicht nur den Menschen nahe, er lässt sich bei der Kurienreform lange und gründlich beraten, um dann entschlossen zu entscheiden und zu handeln." Die aktuellen Reformschritten seien Frucht der über ein Jahr dauernden Gespräche mit externen Experten und kirchlichen Verantwortungsträgern, so der Wiener Erzbischof.