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02.06.2014

PGR-Kongress stärkt Vertrauen und Aufbruch in Kirche

Positives Resümee der Bischöfe und 500 Delegierten.

Kardinal Schönborn erinnerte in einem persönlichen Schlusswort an die Herausforderungen des bischöflichen Dienstes angesichts der zurückliegenden "schweren und leidvollen Jahre für die Kirche". "Für euch darf ich Bischof und mit euch Christ sein", sagte der Kardinal mit Bezug auf ein Wort des heiligen Augustinus. Ersteres sei in Zeiten des Umbruchs oft schwierig, "umso mehr stärkt die Freude, miteinander Christ zu sein", wie dies beim Kongress erlebbar gewesen sei.

 

Was kann einem Christ in spannungsreichen Situationen, in Umbrüchen, nach Enttäuschungen und Verletzung helfen? Auf diese Herausforderung gab der Kardinal den Delegierten drei Ratschläge, die für den großen christlichen Europapolitiker Robert Schuman maßgeblich waren: "Entdramatisieren, den Humor behalten und die Schläge, die man bekommt, nicht erwidern". Schönborn zum Abschluss: "Bis zum nächsten Kongress, auf den ich mich schon jetzt freue!"

 

Keine VIP-Zone für Bischöfe und gemeinsame Tische

Von der guten Atmosphäre und dem damit zum Ausdruck gebrachten Bild von Kirche zeigten sich auch die drei Prozessbegleiter und Referenten am Freitag, die in Innsbruck lehrenden Professoren Roman Siebenrock und Christian Bauer sowie die Salvatorianerin Sr. Teresa Schlackl beeindruckt: Keine VIP-Zone für Bischöfe und gemeinsame Tische für Klerus und Laien: Das stärke das Miteinander.

 

Siebenrock hielt fest, dass die Kirche jetzt erst anfange, in einer radikal pluralistisch Welt zu leben, wo es keinen besonderen Ort für die Kirche gäbe, jedoch viele Chancen. Die Kirche werde selbst pluraler werden und könne der Gesellschaft im Idealfall ein Vorbild dafür geben, wie man mit diesem Pluralismus umgeht. Mit Blick auf die bei den Workshops erlebbare Kreativität sagte Siebenrock: "Tun sie etwas, das sie mit Freude erfüllt." Für die Kirche im Umbruch gelte es, wie der Sämann im biblischen Gleichnis mit Freude auszusäen und das Wachsen Gott zu überlassen.

 

Der Pastoraltheologe Christian Bauer empfahl Bischöfen wie Pfarrgemeinderäten, "nicht nur nach oben zu schauen, sondern auf den auferstandenen Christus neben uns zu schauen". Und Sr. Teresa Schlackl meinte zu den spürbaren Veränderungen: "Prozesse sind wie beim Pilgern: Manchen ist es immer zu schnell, anderen zu langsam. Das ist ganz normal." Im Zweifelsfall solle man sich in solchen Situationen an der Bibel ausrichten, wo Gott immer wieder Menschen herausruft und etwas zumutet.

 

Aus dem Plenum kam von vielen Delegierten der Wunsch nach mehr Mut bei Veränderungen innerhalb der Kirche. "Bischöfe, bewahrt euch den Mut, neue Wege zu beschreiten. Wir beten für euch", so eine Wiener Pfarrgemeinderätin von den insgesamt 25 Wortmeldungen beim "Offenen Mikrofon" am Ende des Kongresses. Und ein steirischer Priester resümierte angesichts der feststellbaren Transformation von Kirche: "Gott nimmt uns in eine Schule des Vertrauens, genau so sollen auch wir einander vertrauen".

 

Den Schlusspunkt der dreitägigen Veranstaltung bildete eine Sendungsfeier in der Mariazeller Basilika unter Leitung von Bischof Alois Schwarz, der innerhalb der Bischofskonferenz für die Pfarrgemeinderäte zuständig ist. Die Feier endete mit einem Segen, den sich Bischöfe und Pfarrgemeinderäte wechselseitig spendeten.

 

"Auf Christus schauen"

Eröffnet wurde der dritte und letzte Tag der Wallfahrt der Pfarrgemeinderäte mit einer Morgenmesse beim Mariazeller Gnadenaltar. Hauptzelebrant Bischof Egon Kapellari wies darauf hin, dass die hier versammelten Gläubigen "stehen und beten stellvertretend auch für alle anderen, ob diese es wissen und wollen oder nicht".

 

Die Botschaft der Wallfahrtskirche, das Christuskind auf dem Arm seiner Mutter einerseits und Bild vom getöteten Herrn, der von Gott in den Himmel erhoben wird, mache deutlich: "Am Ende aller Karfreitag der Weltgeschichte und der Kirchengeschichte ist Ostern, wird immer Ostern sein." Mariazell bringe zudem den Menschen, die hier einkehren, den Dauerauftrag in Erinnerung, "auf Christus zu schauen und zu hören entsprechend dem Wort Maris in Kana: 'Was er euch sagt, das tut'"

 

Erzbischof Franz Lackner ging in der Predigt auf den beim Pfarrgemeinderätekongress thematisierten gegenwärtigen "Geburtsvorgang von Kirche" ein, der jedoch vom Gebet begleitet sein müsse, denn "das Gebet ist die Lunge der Kirche". Nur die im Gebet errungenen Gewissheiten seien unerschütterlich, "dann aber verpflichten sie", sagte der Salzburger Erzbischof mit Verweis auf den Schriftsteller Reinhold Schneider. Richtschnur dabei sei das "Vater unser" mit den drei Bitten um die Heiligung Gottes, das Kommen des Reiches Gottes und der Erfüllung des Willen Gottes. In diesen von Jesus formulierten drei Bitten komme auch der biblische Grundauftrag an die Gläubigen zum Ausdruck: "Suchet zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch dann dazugegeben", so Lackner.