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29.04.2014

Jugendarbeitslosigkeit: "Krise, die unser aller Zukunft bedroht"

Europas "Iustitia et Pax"-Kommissionen und Katholische Jugend fordern Maßnahmen gegen Gefahr einer "verlorenen Generation".

Jugendarbeitslosigkeit stellt eine Krise dar, "die unser aller Zukunft bedroht" und verlangt wirksames Gegensteuern der politisch Verantwortlichen in Europa. Das haben die 31 nationale "Iustitia et Pax"-Kommissionen in einer gemeinsamen Erklärung im Vorfeld der Europawahl gefordert. Gemeinsam mit der Katholischen Jugend (KJÖ) und den jungen Christgewerkschaftern plant die österreichische "Iustitia et Pax"-Kommission am 29. April im Hinblick auf den Tag der Arbeitslosigkeit am 30. April eine gemeinsame Protestaktion vor dem Haus der Europäischen Union in der Wiener Wipplingerstraße. "Jeder arbeitslose Jugendliche ist einer zu viel", heißt es dazu am Dienstag, 29. April 2014.

 

Bis zu 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit

In einigen Mitgliedsstaaten der EU liege die Jugendarbeitslosigkeit bereits bei über 50 Prozent, erinnert die österreichische "Iustitia et Pax"-Kommission, deren Vorsitzende, die Wiener Sozialethikerin Prof. Ingeborg Gabriel, zugleich Vizepräsidentin der CEJPC (Konferenz der Europäischen Iustitia-et-Pax-Kommissionen) in Brüssel ist. In Österreich seien derzeit rund 75.000 junge Menschen ohne Arbeit, darüber hinaus viele "in sehr prekären Arbeitsverhältnissen". In ihrer konzertierten Aktion fordern die jeweils von der Bischofskonferenz ihres Landes eingerichteten Kommissionen eine "systematische Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit". Ihr gemeinsamer Forderungskatalog wird in den europäischen Ländern in den politischen Dialog eingebracht.

 

Gefahr einer "verlorenen Generation"

Die betroffenen jungen Menschen liefen Gefahr, eine "verlorene Generation" zu werden, warnen die "Iustitia et Pax"-Kommissionen. Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise werde vorrangig ein ausgeglichener Staatshaushalt angestrebt, Investition in junge Menschen würden diesem Ziel nachgeordnet. Notwendig sei eine wirksame Strategie zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Diese sei "ein beunruhigendes und auffälliges Symptom einer viel größeren Problematik". Denn oft fehle die Einsicht in die volle Bedeutung von Arbeit in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Die katholische Soziallehre unterstreiche mit Nachdruck, "dass menschenwürdige Arbeit ein grundlegendes Menschenrecht ist", heißt es in der "Iustitia et Pax"-Erklärung.

 

Politisch und gesellschaftlich Verantwortliche müssten zudem in die Demokratie investieren, um der politischen Entfremdung und dem "zunehmenden politischen Extremismus unter jungen Menschen" zu begegnen. Sinnvoll wären beispielsweise Konsultationsverfahren, die junge Menschen aktiv in Prozesse zur Beilegung der Krise einbinden. Die Erklärung betont zudem Bildung und Ausbildung als langfristig zentrale Aspekte einer nachhaltigen Beschäftigungspolitik.

 

Protestaktion "Was ist da los?"

Unter dem Titel "Was ist da los?" steht die Protestaktion der österreichischen Kommission "Iustitia et Pax", der Katholischen Jugend und der FCG Jugend am 29. April zwischen 15.00 und 17.00 Uhr vor dem Haus der Europäischen Union (Wipplingerstraße 35, 1010 Wien). Gefordert wird ein verstärktes Engagement der politischen und gesellschaftlichen Verantwortungsträger gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Passanten werden auf deren dramatische Folgen aufmerksam gemacht und erhalten "Arbeits-Lose" mit leeren Gewinnen.

 

Die Katholische Jugend Österreich appellierte in ihrer Aussendung an die österreichischen Politiker, "sich für bessere Zukunftsperspektiven junger Menschen einzusetzen". KJÖ-Vorsitzender Matthias Kreuzriegler forderte Berufsorientierung als eigenes Unterrichtsfach ab der 7. Schulstufe sowie die Einbindung von Jugendlichen bei berufsrelevanten Themen. "Nicht arbeiten zu müssen ist vielleicht einen Tag fein", sagte Kreuzriegler. "In Wirklichkeit ist es ein Hohn. Jungen Menschen werden Perspektiven und somit ihre Zukunft genommen."