Sehr positiv haben der lutherische Bischof Michael Bünker und der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) ein Jahr nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. dessen Schritt nochmals Revue passieren lassen und die jüngsten Entwicklungen in der katholischen Kirche mit Papst Franziskus an der Spitze kommentiert. Mit einer lateinischen Ansprache vor den in Rom versammelten Kardinälen hatte Papst Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 seinen Amtsverzicht angekündigt. Bischof Bünker hatte an dem Tag zuerst an einen Faschingscherz gedacht, wie er gegenüber "Kathpress" in einer aktuellen Stellungnahme einräumt. "Erst nach und nach wurde klar, dass es ernst ist", so Bünker wörtlich. Und dann seien auch bei ihm Fragen aufgekommen: "Ist das überhaupt möglich? Verträgt sich das mit dem Anspruch des Papstamtes?"
In der praktischen Ausübung des Papstamtes sei durch den Rücktritt von Benedikt XVI. und die Wahl von Franziskus "bestimmt eine Änderung eingetreten", so Bünker: "Sie wurde schlicht und einfach menschlicher. Die hohen Ansprüche von außen und von innen können von diesem menschlichen Maß nicht länger absehen. Wenn der Inhaber merkt, dass seine Kräfte für die riesigen Aufgaben nicht mehr ausreichen, dann kann er zurücktreten."
Zugleich habe der Rücktritt von Benedikt XVI. aber aus seiner Sicht keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Verhältnis der Katholischen Kirche zur Evangelischen Kirche gehabt, resümiert Bünker. Das ökumenische bilaterale Gespräch zwischen katholischer und evangelischer Kirche gehe aber weiter. Weltweit würden etwa Wege gesucht, wie das Reformationsjubiläum 2017 ein Anlass für beide Kirche zur gemeinsamen Feier sein kann. Bünker: "Hier ist die generelle Öffnung, die durch Papst Franziskus eingetreten ist, bestimmt hilfreich."
Dass nun auch die künftigen Päpste unter Druck stehen, bei nachlassenden Kräften zurückzutreten, wolle er so nicht sehen, meint der lutherische Bischof: "Es ist immer die persönliche und freie Entscheidung des jeweiligen Amtsinhabers. Die aktuelle Situation zeigt zudem, dass der Reformbedarf woanders liegt und nicht ausschließlich an der Person des Papstes festgemacht werden darf."
Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Österreich, Arsenios (Kardamakis), befand sich am 11. Februar 2013 gerade auf einem Pastoralbesuch in Ungarn. Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. sei die mutige Entscheidung eines Menschen gewesen, "der für die Kirche lebt und stets im Sinne der Kirche wirkt", so der Metropolit in einer aktuellen Stellungnahme gegenüber "Kathpress". Papst Benedikt sei zum Wohle der Kirche zurückgetreten und nicht in eigenem Interesse. Metropolit Arsenios: "Sein Wunsch, die Stille des Gebetes zu suchen, und gleichzeitig seine Kirche vorbehaltlos der Führung durch Gott und den Heiligen Geist anzuvertrauen, verdient großen Respekt, weil dies ein deutliches Bekenntnis zu Christus selbst darstellt und von großem Gottvertrauen zeugt, auch wenn die Schwesterkirchen in diesem Moment einen Befürworter des Ökumenischen Dialogs verloren haben."
Veränderungen im Papstamt durch Franziskus ortet Metropolit Arsenios - wie auch Bischof Bünker - vor allem in der praktischen Ausführung. "In gewissem Sinne wurden bestimmte Aspekte des vormals strengen Protokolls überwunden. Der neue Papst begegnet dem Protokoll mit Spontanität und überwindet es in bestimmten Momenten. Er zeigt große Menschennähe und vermittelt dadurch einen spontanen Geist der Nächstenliebe und Menschlichkeit." Bei Franziskus werde vor allem auch der Dienst des Papstes als "Bischof und guter Hirte" deutlich.
Positiv habe sich mit dem neuen Papst auch die Beziehung zwischen der Katholischen und Orthodoxen Kirche entwickelt. Der Metropolit erinnerte daran, dass der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. zur Inthronisation des neuen Papstes nach Rom gereist war. Dort sei er "mit großer Offenheit und Nächstenliebe" empfangen worden. Außer Protokoll habe Papst Franziskus dazu aufgerufen, für den Ökumenischen Patriarchen zu beten, würdigte der Metropolit sagte: "Dieser Geist des Dialoges, der sich kontinuierlich im Laufe des 20. Jahrhunderts entfaltet hat, ist seitdem noch lebendiger geworden."
Große Hoffnungen setzt Metropolit Arsenios auch in die Begegnung von Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios im kommenden Mai in Jerusalem.
Papst Benedikt XVI. habe mit seinem Rücktritt jedenfalls "eine neue Pforte geöffnet" und einen möglichen Weg für ein neues Verständnis des Papstamtes aufgezeigt, so der orthodoxe Metropolit.