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31.01.2014

Vikariate: Seit 45 Jahren nahe bei den Menschen

Am 1. Februar 1969 wurde die Erzdiözese Wien in drei territoriale Vikariate gegliedert.

Die Erzdiözese Wien umfasst die Stadt Wien und die östliche Hälfte des Bundeslandes Niederösterreich. Sie ist in drei Vikariate gegliedert, das sind territoriale Verwaltungseinheiten. Das Vikariat Unter dem Manhartsberg umfasst das Weinviertel und das Marchfeld, das Vikariat Stadt die Städte Wien und Klosterneuburg und das Vikariat Unter dem Wienerwald das so genannte Industrieviertel, südlich der Donau von Hainburg über Wiener Neustadt bis in die Bucklige Welt hinein. Die Vikariate sind in 54 Dekanate unterteilt und des weiteren in die zirka 660 Pfarren der Erzdiözese.

 

Kirchenzeitungsredakteur Stefan Kronthaler hat die Bischofsvikare und die stellvertretenden Vorsitzenden der Vikariatsräte 45 Jahre nach der Gründung der Vikariate befragt.

 

Weihbischof Stephan Turnovszky, Bischofsvikar für das Nord-Vikariat:

Die Erzdiözese Wien umfasst sehr unterschiedliche Kultur- und Lebensräume. Dem wurde durch die territoriale Gliederung in Vikariate Rechnung getragen. Dadurch können seelsorgliche Fragen spezifischer für jede Region bearbeitet werden, wie das z. B. in den liturgischen Ausbildungsvorgängen geschieht. Das ist sinnvoll, weil z. B. für Begräbnisse in Wien anderes vorauszusetzen ist als in Weinviertler Dörfern. Die Kehrseite davon ist, dass dadurch manches in unserer Diözese doppelt und dreifach überlegt und geplant wird und zwischen den Vikariaten relativ wenig Erfahrungsaustausch läuft. In Bezug auf das Wirken von Priestern zeigt sich in letzter Zeit eine Relativierung der Bedeutung der Vikariate: Es gibt vermehrt Geistliche, die unter der Woche in Wien tätig sind und von Freitag bis Sonntag in Landpfarren.

 

Pater Dariusz Schutzki CR, Bischofsvikar für Wien-Stadt:

Durch die Gründung der drei Vikariate ist die große Erzdiözese übersichtlicher geworden. Als Bischofsvikar habe ich regen Kontakt mit den Dechanten, Pfarrern, Vikariatsräten und den Pfarrgemeinderatsmitgliedern und bin auch im regen Austausch mit den anderen Bischofsvikaren. In Wien müssen wir aufgrund der demographischen Entwicklung, der unterschiedlichen Lebensbedingungen der Menschen und aufgrund der Internationalität pastoral anders agieren als in den Landvikariaten. Letztlich bekommt die Diözesanleitung durch die Vikariatsgliederung eine größere Übersicht über das bunte Leben der Kirche vor Ort.

 

Rupert Stadler, Bischofsvikar für das Süd-Vikariat:

Die Einteilung der Erzdiözese Wien in drei Vikariate hat sich als sehr positiv erwiesen. Die Dezentralisierung bietet auch den Vorteil, Fortbildungen in den Pfarren und die Ausbildung für die liturgischen Laiendienste in den Regionen des Vikariates anzubieten. Wir sind auch dankbar, zwei wichtige Kontaktstellen zu haben: im südlichen Teil des Vikariates das Büro im BZ St. Bernhard in Wr. Neustadt und das Vikariatssekretariat des Bischofsvikars in Wien. Wichtig sind uns die Anliegen der Pfarrgemeinden und die Stärkung der kooperativen Seelsorge (Seelsorgeräume und Pfarrverbände) im gemeinsamen Lebensraum.

 

Irmengard Thanhoffer, stv. Vorsitzende des Vikariatsrates für das Vikariat Wien-Stadt:

Ab 1971 gab es erstmals Pfarrgemenderäte; zuerst freiwillig und ab 1974 verpflichtend. Kardinal König sah die Notwendigkeit, diese neuen Aufgabenträger gut zu betreuen, zu begleiten und ihnen Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen. Auch heute, mitten im Strukturprozess, erweist sich diese Aufteilung als gut, da die Vikariate unterschiedlich unterwegs sind. Es entstand jetzt auch ein Zusammenrücken der drei Vikariate und fruchtbringende Zusammenarbeit.

 

Nikolaus Csenar, stv. Vorsitzender des Vikariatsrates für das Süd-Vikariat:

Um den Aufbau lebendiger Gemeinden als sichtbares Heilszeichen der Kirche an der Welt optimal zu verwirklichen, sollte eine territoriale Neuordnung auf die verschiedenartige Zusammensetzung des Volkes Gottes Rücksicht nehmen. Sehr rasch blieben wir in der Umsetzung des synodalen Auftrags stecken, haben die Vikariatsleitungen wieder mit Sitz in Wien organisiert, synodal gewünschte pfarrliche Gliederungen in Substrukturen oder effektive Pfarrteilungen  wurden als überholte Organisationen wieder verworfen, es gibt noch immer keine Laien als Gemeindeleiter und heute diskutieren wir eine Rahmenordnung für "Pfarre neu" als größere Organisationseinheit. Mein Wunsch: den Vikariaten im Sinne der Synode mehr Kompetenzen zuzugestehen.

 

Ferdinand Faber, stv. Vorsitzender des Vikariatsrates für das Nord-Vikariat:

Als Weinviertler erlebe ich die Gliederung der Erzdiözese Wien in Vikariate überwiegend positiv. Ich glaube, dass die Gliederung in Vikariate  zu einem besseren Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der Menschen im Weinviertel und Marchfeld beigetragen hat  und auch eine Seelsorge, die nahe bei den Menschen ist,  fördert. Der Weinviertler Pilger-,  Glaubens- und Bibelweg  sowie auch der Jakobsweg sind konkrete Früchte dieser Entwicklung.  Vielleicht ist eine Zeit lang die Gesamtsicht der Diözese zu kurz gekommen. Durch die Diözesanversammlungen in den letzten Jahren wurde auch diese Perspektive wieder mehr beachtet.