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14.01.2014

Wer sind die neuen Kardinäle von Papst Franziskus?

Papst kreiert, also ernennt, im Feber 19 neue Kardinäle.

Am Ende des Angelusgebets am Sonntag, 12. Jänner 2014, teilte Franziskus die Namen der 19 neuen Kardinäle mit, die er beim Konsistorium am 22. Februar kreieren will.

 

Das Kardinalskollegium zählt derzeit noch 107 papstwahlberechtigte Mitglieder. Mit den 16 neuen Kardinälen wird sich ab 22. Februar  diese Zahl auf 122 wahlberechtigte Kardinäle unter 80 Jahren erhöhen. Ein derzeit wahlberechtigter Kardinal - Giovanni Battista Re - wird am 30. Jänner 80 und scheidet damit aus.

 

In einem Schreiben an die zukünftigen Kardinäle hat Papst Franziskus die neu benannten Kardinäle dazu ermahnt, sie sollten ihre Aufnahme ins Kardinalskollegium ohne "Anflug von Eitelkeit" und überzogene Festlichkeiten feiern. "Ich bitte euch, nehmt diese Nominierung mit einfachem und demütigen Herzen auf", so Franziskus. Ein derartiges Schreiben ist ein absolutes Novum.

 

Brief des Papstes an die neuen Kardinäle

Wortlaut des Schreibens: "Lieber Bruder, am Tag des Bekanntwerdens Deiner Benennung als Mitglied des Kardinalskollegiums möchte ich Dir meine herzlichen Grüße und die Versicherung meiner Nähe und meines Gebets zukommen lassen. Ich möchte, dass Du mir, 'bekleidet mit der Tugend und Gesinnung des Herrn Jesus' (Röm 13,14), mit Blick auf die römische Kirche in brüderlicher Effizienz bei meinem Dienst für die Universalkirche hilfst. Die Kardinalswürde ist keine Beförderung, weder eine Ehre noch eine Zierde. Sie ist schlicht ein Dienst, der danach verlangt, den Blick zu weiten und das Herz zu öffnen. Und auch wenn es paradox erscheint: Diese Fähigkeit, weiter zu blicken und umfassender und mit größerer Intensität zu lieben, lässt sich nur erwerben, indem man demselben Weg folgt wie der Herr: dem Leben der Erniedrigung und der Demut, indem man die Gestalt des Dieners annimmt (Phil 2,5-8). Deshalb bitte ich Dich, diese Bestimmung mit einem einfachen und bescheidenen Herzen anzunehmen. Auch wenn Du dies mit Freude tust, tue es so, dass dieses Gefühl jeglichem Ausdruck von eitler Weltlichkeit, jeglicher Feierlichkeit fernsteht, die dem evangelischen Geist der Strenge, der Nüchternheit und der Armut fremd ist. Auf Wiedersehen also bis zum kommenden 20. Februar, an dem wir zwei Tage zur Reflexion über die Familie beginnen werden.

 

Ich stehe zu Deiner Verfügung und bitte Dich, für mich zu beten und für mich beten zu lassen."

 

Viele Lateinamerikaner und Ehrung eines Papstsekretärs

Die starke Bedachtnahme Lateinamerikas und die Ehrung eines über 98-Jährigen mit dem Purpur - das sind die medial am stärksten beachteten Besonderheiten der ersten Kardinalsernennungen von Papst Franziskus. Fast ein Drittel (6 von 19) der Neuen kommt aus dem Amerika südlich des Rio Grande. Weiters wird in den Medien betont, dass das Weltkirche-Element vom argentinischen Papst stark berücksichtigt wurde: Immerhin vertreten die 19 neuen Kardinälen, die am 22. Februar kreiert werden, 15 Länder des Globus.

 

Mit seiner Aufnahme ins Kardinalskollegium wird der frühere Papstsekretär Loris Francesco Capovilla (98) aus dem Stand ältester Kardinal der Weltkirche. Er löst damit den 97-jährigen Fiorenzo Angelini, früher vatikanischer Gesundheitsminister, ab. Völlig überraschend hatte Franziskus am Sonntag angekündigt, dass er auch den einstigen Sekretär von Papst Johannes XXIII. (1958-1963) - gemeinsam mit 18 weiteren Kirchenmännern - ins Kardinalskollegium aufnehmen will. Dies ist eine besondere Ehrenbezeugung von Franziskus, der seinen Vorgänger Johannes XXIII. im April in Rom heiligsprechen wird.

 

Sechs der 19 neuen Kardinäle kommen aus Lateinamerika und der Karibik. Die Tageszeitungen der sechs Länder jubelten am Montag in Aufmachern über ihre neuen Purpurträger. "La Prensa" aus Nicaragua etwa schrieb zur Berufung des Erzbischofs von Managua, Leopoldo Jose Brenes Solorzano (64): "Habemus Cardenal - " In Deutschland steht naturgemäß der Purpur für Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller (66) im Mittelpunkt. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann (77) gratulierte am Montag Müller, zu gegebener Zeit wolle er den neuen Kardinal in seine Geburtsstadt und seine Heimatdiözese einladen.

 

Ernennung setzt deutliche Akzente

In einem "Kathpress"- Hintergrundbericht  berichtet Thomas Jansen, dass "die Persönlichkeiten, die ein Papst in sein wichtigstes Beratergremium, das Kardinalskollegium aufnimmt, stets auch Aufschluss über den kirchenpolitischen Kurs des Pontifikats geben. Und so war die Liste der neuen Kardinäle mit großer Spannung erwartet worden und bestätigt vor allem zwei Entwicklungen, die sich seit Franziskus' Amtsantritt abzeichnen. Zum einen wird die katholische Kirche unter dem argentinischen Papst (wieder) lateinamerikanischer: fünf der insgesamt 16 neuen Kardinäle, die jünger als 80 Jahre sind und damit zur Papstwahl berechtigt wären, kommen aus dem Heimatkontinent von Franziskus. Aus Afrika, Asien und Europa sind es jeweils zwei, aus Nordamerika gar nur einer.

 

Lateinamerika, wo fast 40 Prozent aller Katholiken leben, ist gegenwärtig mit 14 von 107 wahlberechtigten Kardinälen, das sind rund 13 Prozent, deutlich unterrepräsentiert. 61 der künftigen Wähler (Stand Ende Februar) - und damit exakt jeder zweite - kommen dagegen aus Europa.

 

Zum anderen verschieben sich unter Franziskus zwischen Weltkirche und römischer Kurie die Gewichte zugunsten der Weltkirche: Das zeigt sich nun an der Benennung des Generalsekretärs der Bischofssynode, Erzbischof Lorenzo Baldisseri, als neuem Kardinal. Der Italiener trat sein neues Amt erst im September an. Seine Vorgänger hatten die Kardinalswürde allenfalls nach mehreren Jahren erhalten. Der Papst macht damit abermals deutlich, dass er die Versammlung der Bischöfe der Weltkirche als kollegiales Beratergremium stärken will.

 

Auffällig war schließlich auch, dass der Papst keinen der traditionellen Anwärter auf die Kardinalswürde aus Italien berücksichtigt hat. Statt der Inhaber der prestigeträchtigen Bischofssitze, dem Patriarchen von Venedig und dem Erzbischof von Turin, nimmt der Papst einen Bischof aus der zweiten Reihe, den Bischof der kleinen Diözese Perugia, Gualtiero Bassetti, ins Kardinalskollegium auf. Dass der Papst diesen Geistlichen besonders schätzt, hatte sich bereits im Dezember gezeigt, als er ihn zum Mitglied der Bischofskongregation berief."