Der 6. Jänner gilt bei uns vor allem als "Fest der Heiligen Drei Könige". Durch die "Dreikönigsaktion" der Katholischen Jungschar, auch "Sternsingeraktion" genannt, haben die Drei Könige nochmals an Beliebtheit zugelegt. 80.000 Buben und Mädchen gehen in diesen Tagen von Tür zu Tür, von Haus zu Haus, um zu singen, zu segnen und um Spenden für Kinderprojekte in den ärmsten Ländern zu sammeln. Das Fest des 6. Jänner hat freilich eine viel umfassendere Bedeutung. Es heißt "Erscheinung des Herrn". Gleich drei Ereignisse aus dem Leben Jesu werden festlich vergegenwärtigt. So heißt es in einem Gebet des heutigen Vespergottesdienstes: "Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führte der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit: Heute wurde Christus im Jordan getauft, uns zum Heil, Halleluja."
Gemeinsam ist diesen drei Momenten des Lebens Jesu, das hier jedes Mal sichtbar wurde, wer Jesus eigentlich ist. In ihm zeigt sich immer wieder mitten in seinem armen, bescheidenen Leben, etwas von der Gegenwart Gottes in ihm. Daher "Erscheinung des Herrn".
Die Weisen aus dem Morgenland finden ein bescheidenes Kind armer Eltern. Aber sie verehren in ihm den "neugeborenen König der Juden". Ähnliches geschah bei der Hochzeit von Kana, als Jesus den Hochzeitsgästen, denen der Wein ausgegangen war, Wasser zu Wein wandelte und so die Hochzeitsfreude rettete. Auch da "erschien" Gottes Güte und Macht mitten im Leben der Menschen durch das Kommen und Wirken Jesu.
Und schließlich die Taufe im Jordan. Er kommt, unscheinbar und unbemerkt, wie ein Sünder unter Sündern, stellt sich an in der Warteschlange, um wie die anderen ins Wasser hinabzusteigen und sich von Johannes taufen zu lassen. Auch damals "erschien" Gottes Glanz über Jesus und zeigte, dass der Zimmermann aus Nazareth wirklich der menschgewordene Gott ist: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe."
Der 6. Jänner ist deshalb im Brauchtum der orthodoxen Christen auch der Tag der Wasserweihe. In Russland und den Ländern des christlichen Ostens ist es daher üblich, dass der Bischof oder der Priester die Taufe Jesu im Jordan symbolisch nachahmen: Sie versenken ein Kreuz in Flüsse, Teiche oder Seehäfen und sprechen dabei die alten Gebete der Wasserweihe. Besonders mutige Männer wagen sich bei der Gelegenheit ins eiskalte Wasser und bringen das Kreuz wieder zurück.
Die wachsende Zahl der Christen des Ostens bei uns in Österreich (sie sollen schon bald eine halbe Million sein) hat dieses Brauchtum auch bei uns bekannt gemacht.
Epiphanie, Erscheinung des Herrn, ist auch ein besonderer Tag der Mission. Überall in der Welt wird heute für die Priesterausbildung in den Missionsländern gesammelt. Das Licht Christi soll in allen Teilen der Welt leuchten. Angefangen hat diese weltweite Bewegung mit dem Kommen der "Heiligen Drei Könige", den ersten "Heiden", denen dieses Licht den Weg geleuchtete hat.