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12.12.2013

Bischofsvikar Stadler zum Entwicklungsprozess im Süden

Was "Seelsorgeräume" leisten können.

Wie "gedeihen" die Seelsorgeräume im Süd-Vikariat?

 

Stadler: Seit Jänner 2013 wurden im Vikariat Unter dem Wienerwald acht neue Seelsorgeräume in acht (von 17) Dekanaten mit 28 Pfarren errichtet, zwei weitere Seelsorgeräume sind startbereit. Es gibt bereits die ersten positiven Erfahrungen der pfarrübergreifenden Zusammenarbeit. Nicht jede Pfarre muss alles machen, so werden Schwächen ausgeglichen und Stärken miteinander geteilt.

 

Wie können die Seelsorgeräume im Süd-Vikariat ein Modell der Vernetzung und Kooperation sein?

 

Stadler: Pfarren als gewachsene und bewährte Einheiten bilden die Basisgrößen für jeden Seelsorgeraum. Im Pastoralteam entwickeln sie neue Strukturen für die pfarrübergreifende Zusammenarbeit. Ein Seelsorgeraum ist eine verbindliche Kooperation selbständiger Pfarren. Er entspricht den gegebenen Lebensräumen der Menschen und bietet bewusst seelsorgliche Kooperation, die situations- oder bedarfsorientiert strukturiert wird, an.

 

Die Ressourcen werden in den nächsten Jahren weniger – wie reagieren die Pfarren auf diese Umstände?

 

Stadler: Bei rückläufigen Ressourcen sind die Pfarren herausgefordert, Prioritäten und Schwerpunkte zu setzen. Durch Zusammenarbeit über die eigenen Pfarrgrenzen hinaus, z.B. durch gemeinsame Verwaltung (Pfarrbüro, Buchhaltung), werden neue Wege gesucht. Auch in der Sakramentenpastoral oder Jugendarbeit, in den Aktivitäten der Caritas sind Ansätze für Vernetzung gegeben.

 

Welche Rolle werden "kleine, christliche Gemeinschaften" spielen?

 

Stadler: Räumliche Nähe ist nicht immer auch Beziehungsnähe und Gemeindebildung ist nicht automatisch aufgrund territorialer Gegebenheiten, sondern aufgrund von Interessen, gemeinsamer spiritueller Ausrichtung und anderem mehr gegeben.

So nimmt auch die Entstehung und Gründung von kleinen Gemeinschaften und christlichen Kreisen in ihrer Bedeutung zu. Kleine Gemeinschaften bewähren sich als Zentren der Weitergabe des christlichen Glaubens und der missionarischen Ausstrahlung. Es sind Gruppen von Christen, die sich auf familiärer Ebene oder in begrenztem Umkreis treffen, um zu beten, die Heilige Schrift zu lesen, das Glaubenswissen zu vertiefen und anderes mehr.

 

Wir können sie als Sauerteig des christlichen Lebens bezeichnen, in denen ChristInnen in einer überschaubaren und vertrauten Gruppe die Gemeinschaft stärker erleben und teilen können.

 

Was braucht es, um die Menschen auf diesem Weg der Erneuerung (noch mehr) zu ermutigen?

 

Stadler: Papst Franziskus wird nicht müde, auf das eigentliche Wesen der Reform zu verweisen: "Die Diener der Kirche müssen barmherzig sein, sich der Menschen annehmen, sie begleiten – wie der gute Samariter, der seinen Nächsten wäscht, reinigt, aufhebt. Das ist pures Evangelium. Gott ist Größer als die Sünde. Die organisatorischen und strukturellen Reformen sind sekundär, sie kommen danach. Die erste Reform muss die Einstellung sein. Die Diener des Evangeliums müssen in der Lage sein, die Herzen der Menschen zu erwärmen, in der Nacht mit ihnen zu gehen."  (im  Interview mit "La Civiltá Cattolica").

 

Es ist daher von großer Wichtigkeit, durch ausreichende Beteiligung und Kommunikation die Menschen einzuladen, sich wieder stärker auf die Kernaufgaben unserer christlichen Existenz zu besinnen. Von dort her beziehen wir als Christen unsere Kraft, unsere Freude und auch die nötige Geduld, die wir bei solchen Vorhaben immer benötigen werden.