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11.11.2013

20. Jahrhundert war "Jahrhundert der christlichen Märtyrer"

Kardinal Schönborn eröffnete Symposion "Was heißt es heute, Christ zu sein? Aus den Erfahrungen des Märtyrertums der Ostkirchen".

Das 20. Jahrhundert war das "Jahrhundert der christlichen Märtyrer", in keinem anderen Jahrhundert habe es so viele Märtyrer gegeben. Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am Samstag, 9. November 2013, an der Wiener Universität bei der Eröffnung des Symposions "Was heißt es heute, Christ zu sein? Aus den Erfahrungen des Märtyrertums der Ostkirchen". Das Martyrium von Christen gehe auch heute weiter, wie die jüngsten Nachrichten über die Ermordung von Christen in der syrischen Kleinstadt Sadad zeigen, so Schönborn. Angefangen von der Ermordung der Armenier im Osmanischen Reich ab 1915 sei das 20. Jahrhundert gekennzeichnet von großen Wellen der Christenverfolgung.

 

Auch Opfer der Shoah waren Märtyrer

Am 9. November müsse man aber auch daran erinnern, dass genau vor 75 Jahren überall im sogenannten Großdeutschen Reich Pogrome gegen die jüdischen Menschen stattfanden und mehr als 1.000 Synagogen niedergebrannt wurden, "allein in Wien von den damals bestehenden 25 Synagogen 24". Die Novemberpogrome seien der Auftakt zur Shoah gewesen, betonte Kardinal Schönborn. Die fehlenden Proteste der internationalen Staatengemeinschaft "und leider auch der christlichen Kirchen" hätten Hitler und seine Schergen bestärkt, den Völkermord in Gang zu setzen, auch die Erinnerung an die fehlenden Proteste gegen den Genozid an den Armeniern habe dazu beigetragen. Der Wiener Erzbischof verwies auf ein Gespräch von Andre Frossard mit Johannes Paul II., bei dem der französische Schriftsteller den Papst fragte, ob alle Millionen Opfer der Shoah wegen des erlittenen Martyriums Heilige seien. Darauf habe der Papst "ohne Zögern" ja gesagt.

 

Kardinal Schönborn erinnerte aber auch den Märtyrertod der selig gesprochenen Ordensfrauen Restituta Kafka, die in Wien zusammen mit sechs kommunistischen Straßenbahnern hingerichtet wurde, deren einziges "Verbrechen" darin bestand, dass sie am Grab eines von den NS-Schergen ermordeten Arbeitskollegen einen Kranz niedergelegt hatten. Schwester Restituta habe den Märtyrertod inmitten von Kommunisten erlitten, die "Zeugen der Humanität" waren.

 

Die "Kraft der Vergebung"

Die Kraft des Martyriums, so Schönborn, liege in der Kraft der Vergebung liege: "Dort, wo Hass ist, nicht mit Hass und Gewalt zu antworten". In diesen Kontext stellte er auch ein persönliches Erlebnis, als ihm im Jahr 2000 in der Bukarester Patriarchalresidenz jener Raum gezeigt wurde, in dem sich 1948 auf Befehl der kommunistischen Machthaber alle zwölf griechisch-katholischen Bischöfe Rumäniens versammeln mussten und ihnen die Frage vorgelegt wurde, ob sie sich der Orthodoxie anschließen oder ins Gefängnis gehen wollen, wobei sich alle Bischöfe für das Gefängnis entschieden.

 

Im Leid: Einheit der Kirchen

Der Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, betonte beim Symposion seinerseits die Bedeutung des Martyriums für die ganze Kirche. In den Märtyrern seien die Kirchen im 20. Jahrhundert dem Geheimnis des leidenden Jesus wieder nahegekommen. Im Leid sei aber auch die Einheit der Kirchen vorweg genommen worden. Kardinal Sandri unterstrich die Bedeutung der gegenseitigen Vergebung und die Notwendigkeit, diese Einsicht vor allem auch den künftigen Hirten der Kirchen zu vermitteln. Katholiken und Orthodoxe müssten sich noch stärker ihrer gemeinsamen Quellen bewusst werden. Heute gehe es auch darum, gemeinsam auf die Ursprungsländer des Christentums zu schauen.

 

Glaubenszeugnis ist ökumenisch

Der Generalsekretär des Heiligen Synods der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Bischof Bogdan Dziurach, verlas bei der Eröffnung des Symposions das Grußwort von Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, in dem dieser auf den Heiligen Josaphat Kuncewytsch Bezug nahm, dessen 390. Todestag am Samstag gedacht wurde. Schewtschuk erinnerte daran, dass jedes "authentische Glaubenszeugnis" ökumenischen Charakter habe. Es gebe einen "Ökumenismus der Märtyrer". Der Heilige Josaphat und "tausend andere Glaubenszeugen" erinnerten die kirchlichen Verantwortlichen von heute daran, die Verkündigung des Evangeliums nicht von äußeren Umständen abhängig zu machen, sondern sich am Willen Christi zu orientieren.