Die Kirche und vor allem christlich motivierte Laien brauchen neue und bessere Argumente, wenn sie in der Gesellschaft etwas bewegen wollten: Davon zeigte sich Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), bei einer Diskussionsveranstaltung auf Einladung des katholischen Publizistenverbands am Mittwoch, 2. Oktober 2013, überzeugt. Die gesellschaftlichen Veränderungen bewirkten eine "neue Sozialgestalt von Kirche", die sich im öffentlichen Diskurs nicht mehr allein auf ihre "zahlenmäßige Größe und auf Traditionen" berufen könne. Dies bedeute jedoch noch lange keinen gesellschaftlichen Bedeutungsverlust des Christlichen.
Was heute dringend nötig sei, sind "Personen, die den inneren Kompass, also ihre Gesinnung mit Sachkompetenz verbinden", so Glück. Genau das sei Chance und Auftrag an Laienchristen und ihre Strukturen, so der ehemalige bayerische Landtagspräsident und jetzige Spitzenvertreter des katholischen Laienapostolats in Deutschland.
Christliche Laien in der Politik brauchen Vernetzung und kirchlichen Rückhalt um erfolgreich zu sein, so der ehemalige CSU-Politiker. Dies sei eine bleibende Aufgabe von katholischen Verbänden, auch wenn der Einfluss von Verbänden insgesamt geringer werde. Wenig hilfreich sei jedoch Kritik und Misstrauen von Kirchenvertretern jenen katholisch motivierten Politkern gegenüber, die oft nach zähen Verhandlungen eben nur ein Kompromiss erreichen. So eine Haltung würde nur noch verstärken, dass sich immer weniger Laien in Politik und Öffentlichkeit engagieren - mit allen negativen Folgen für die Kirche.
Zentrales Thema für christliches Engagement in der Öffentlichkeit ist das Eintreten für Menschenwürde in allen Ausprägungen, so Glück. Dieser erinnerte in diesem Zusammenhang an das deutsche Grundgesetz, das zugleich ein Leitfaden für die wichtigen Themen eines christlichen Engagements sei. Wenn das Grundgesetz in seiner Präambel mit den Worten "Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen" beginnt, gelte es heute neu zu erschließen, was "Verantwortung vor Gott" bedeutet. Glück erinnerte dabei an den früheren ZdK-Präsidenten Hans Meyer, wonach das Christentum die Politik "rechenschaftspflichtig gegenüber Gott und den Menschen" gemacht habe.
Ein anderes wichtiges Thema sei die Bedeutung von Ehe und Familie für die Gesellschaft. Beide stehen unter dem Schutz des Grundgesetztes und gleichzeitig stelle sich heute die Frage, weshalb der konstant hohe Wunsch nach stabilen Partnerschaften und eigenen Kindern immer seltener realisiert werden könne.
Rückenwind aus dem Vatikan für den in Gang befindlichen Dialogprozess der deutschen Bischöfe ortet Glück in den zahlreichen Wortmeldungen von Papst Franziskus. Die Kirche benötige eine "angstfreie Kommunikation". Dass genau das als großes Defizit im Vorfeld des kirchlichen Dialogprozesses in Deutschland vielfach diagnostiziert wurde, sei das eigentliche Kernproblem. Die bisherigen Stationen des Gesprächsvorganges, der durch die Missbrauchskrise ausgelöst wurde und von den Bischöfen gemeinsam mit dem ZdK getragen wird, hätten hier schon Positives bewirkt.